Wiedergænger – Lyrics

Songs from “Ein Geist geht um”

Die Leblosen
Wiedergänger
Im Nobiskrug

Songs from “Trümmer aus der Tiefe”

Wie Donnerhall
Würmer (Kein Fußbreit)
Ich bin dein Traum
Ekke Nekkepenn
Vier Tage, vier Nächte

Die Leblosen

Stundenlang am Strande stehe ich und sehe
aus der Förde fährt ein Flutenross, ein Gutes

Dort auf Deck erblick’ ich die zum Streit Bereiten
Schildgewitter woll’n die Windgegerbten finden
Soll ich eines Sommers selbst das Ruder ergreifen?

Raue See berührt den reich verzierten Steven
Unbesiegte Seelen senken ihre Augen
(Die) Todverächter tragen tief im Herzen Sorge

[Chorus]
Hör’ ich von Heldentaten der Heimgekehrten
weiß ich wohl, es blieben nicht wenige auf See
Wer lauscht den Leblosen?
Sag, wer lauscht den Leblosen?

Unterm herbstlich Himmel harren die Verwandten
(der) unversehrten Ankunft all der Drachenfahrer
Wirst du wiederkehren, weitgereister Bruder?

Frost droht bald der Förde Fesseln anzulegen
(da) gleitet durch die Gischt das gute Schiff, zerrissen
Bleicher Blick fällt auf die Bank, nun ohne Krieger

[Chorus]

Hverr hlustar á líflausum monnum?
Hverr hlustar á líflausum monnum?

[Chorus]

Wiedergänger

Ein Geist geht um
und gängelt dieses Haus
Er findet, sie finden
keinen Frieden
Nicht nur im Sturme
neigen sich die Wände
Gefällt es dem Fahlen
fährt er hier umher

[Chorus]
Wiedergänger
Weiche fort, wilder Gast,
du wohnst hier nicht mehr!

Wiedergänger
Bleib in deinem Bett,
du bleiche Gestalt!

Nimmt im Nebel
die Nacht ihren Anfang
Dann flucht seine Fresse
durch die Finsternis
Er steigt durch Steine
seien sie noch so stark
und trägt den Tod
in jede Tür

Was lässt ihn wandeln
den wenig Beweinten?

[Chorus]

Sie streifen zur Stätte
des Verstorbenen
Zum Grabe des Garst’gen
ein Ende ihm zu geben
Sein Leib liegt dort
leidlich verwest
In untoten Augen
ahnen sie die Wut

“Hört, es erhebt sich
der hungrige Hausgeist”

[Chorus]

Im Nobiskrug

Wir fahr’n in’ Nobiskrug

Dunkles Holz und dichter Rauch
und schwarze Schiffe
Kalt ist’s draußen, nicht hier drinnen
es glimmt die Glut
Äl vom Fasse wird heut’ fließen
und beißend Branntwein
Zum Tische tritt der alte Teufel
der weise Wirt

Hier im Nobiskrug

Stunden eil’n wie Augenblicke
Wo zieht die Zeit hin?
Gerade durch die Tür getreten
aus alter Eiche
Gerstentrank im Glase schwindet,
schon nachgeschenkt!
Etwas ist hier nicht geheuer
in dieser Diele

Im Nobiskrug

“Seht doch bloß in die Gesichter
der grauen Gäste!
Feurig blitzt es, wohl zum Fürchten
in ihren Augen!”
Die Seelen lässt sich der Versucher
nun nicht mehr nehmen
Wer schafft noch den Schritt zur Türe
und wer kehrt wieder?
Die Seelen lässt sich der Versucher
nun nicht mehr nehmen
Wir schaffen noch den Schritt zur Türe
und wir kehren wieder

Hinein…
… in den Nobiskrug!

Wie Donnerhall

Der kühne Konrad zieht in den Krieg
Neunzehn Jahre ist er jung
Für Volk und Kaiser und Vaterland
gibt er alles, was er geben kann

Nach Westen
wider den Feind!
Die Räder rollen
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein
Wer will des Stromes Hüter sein?

Ferner Donner
dringt hierher
Draht und Gräben
Geisterbäume

Sie lauern wie Ratten in Löchern
und warten … und warten …

Splitter! Schreie!
Ein Arm in toter Erde
Kugeln heulen durch den Hain
Leben um Leben erlischt

Die Beine brennen
Leiber aus Lehm
Die Kälte kommt (in der Nacht)
Steigt in die Stiefel

Gas! Das Grauen!
Die Luft zerfetzt die Lungen
Der Schützengraben schützt dich nicht
Hier brennt die Hölle – so heiß

Der arme Konrad kehrt wieder heim
Gebrochen ist der bittere Mann
Muss denn Deutschland leben
wenn wir dafür sterben müssen?

Würmer (Kein Fußbreit)

Siehst du wie die Würmer wühlen in den Gassen?
Durch den Schleim es schleicht das schlangengleiche Volk
Und uns überfällt der Ekel, kalt und grausig
Beinlos’ Tiere brüten bald in deinem Hirn

[Chorus]
Kein Fußbreit
Kein Fußbreit
den Würmern!

Falsche Farben tragend, Fäulnis in der Seele
Schieben auf Geschlechter Schuld an ihrer Not
Heißen hassenswert die Herkunft aus der Ferne
Ihnen scheint es einfach, Arme zu bedroh’n

[Chorus]

Freunde, reckt die Fäuste, Freiheit für die Gassen
Wiedergænger werfen die Würmer aus der Stadt
Denn, ihr Dreck der Erde, dies ist euer Land nicht!
Wo ihr immer wandelt, das Widerwort ist lauter!

Ich bin dein Traum

Mit blutigen Händen
wühl’ ich durch dein Hirn
Lasten und Ängste
Leid für stille Stunden

Keine Ruhe
Kein Entrinnen
aus meinem grausigen Griff
Dich lasse ich nicht los

[Chorus]
Ich nehme dir die Nacht
Ich bin dein Traum
Ich weiß, wie du weinst
Ich bin dein Traum

Willst mich wohl vergessen,
winselst du im Schlaf
Dreh dich, wie du willst
Dränge mich ins Dunkel
Trümmer aus der Tiefe
tauchen wieder auf

Du kennst sie
die Qualen
durch meinen grausigen Griff
Dich lasse ich nicht los

[Chorus]

Ich bin die rasende Stimme
hinter deiner Stirn
Durch mich siehst du Dinge,
die nicht sind

In mir und in dir wohnt der Wahnsinn

Ekke Nekkepenn

Delling skell ik bruw
Mearen skell ik baak
Aurmearn skell ik Bröllep haa
Ik jit Ekke Nekkepenn
Min Brid es Inge fan Raantem
En dit weet nemmen üs ik alliining

Auf dem Grund der Nordsee nahm ich mein Heim
Ich taumel durch die Tiefe
Mein Weib ist die Ran, doch die reicht mir nicht
Drum foppe ich die Friesen

Liebliche Wohlgestalt
Weißt du meinen Namen?

Ik jit
Ekke Nekkepen, Ekke Nekkepen

Einst zog ich ‘nen Englandfahrer in die See
Seine Frau gefiel mir
Ran ward mir zu runzlig, Reinheit suchte ich
Aber es kam anders

Das Kind der Erkorenen
kannte meinen Namen!

Ik jit
Ekke Nekkepenn, Ekke Nekkepenn

Inge, meine Schlinge, wusste Dinge, weswegen ich so wütend singe!

Vier Tage, vier Nächte

Heiß der Lenz in Hamburg, kurz vor Himmelfahrt
Verdorrt die Felder der Vorstadt, Ebbe hier im Fleet

Der Wind aus Südwest
wärmt diese Nacht
wärmt diese Nacht
“Füüer in de Diekstraat!”

Längst die ersten Speicher lodern
voller Branntwein brennen sie
Es zischt schon an der Zollenbrücke
Flüssig golden glüht das Fleet
Bald steht Sankt Nikolai in Brand
um vier Uhr fällt der Turm

Das Rathaus ist nicht zu retten
“Sprengt! Sprengt! Sprengt!”
Schwarzer Staub zerstört den Saal
“Zu spät! Zu spät! Zu spät!”

Gier in den Gassen
Habenichtse in der Hitze
Es drängt der Durst die Plünderer
Mancher sucht den Südenbock

Erst an der Alster
erstarrt der Brand
erstarrt der Brand
mit einundfünfzig Opfern

Vier Tage und vier Nächte
Stadt ohne Gestalt
Aus der alten Asche
erhebt sich der Hochmut Hammoniae

Und in hundert Jahren soll Hamburg wieder brennen
Im Feuer, das die eigenen Väter uns entfacht
Ihr wähnt euch wohl geschützt in weißen Bürgerhäusern
Wenig Funken reichen, zerreißen diese Stadt